Exklusiv berichtet die hemalige Nika-Mitglidsfrau Sandra Roloff über Ihren Karriereweg und gibt eindrückliche Einblicke in das Leben einer Führungsfrau.

Bitte schildern Sie uns etwas zu Ihrer jetzigen beruflichen Situation, wenn Sie mögen auch zum Werdegang (kurz). Besonders interessiert uns hier Ihre Rolle als weibliche Führungskraft im öffentlichen Dienst.
Nach meinem Abitur habe ich zuerst eine Bankausbildung absolviert, aber das war nicht die Erfüllung. Dann bin ich im Knast gelandet. Allerdings nur beruflich. Eine Freundin gab mir den Tipp mich im Justizvollzug zu bewerben. Also begann ich dort eine Ausbildung. In den 12,5 Jahren in der Jugendanstalt Hameln habe ich mich für die Gleichstel-lung von Männern und Frauen u.a. als stellv. Gleichstellungsbeauftragte engagiert. Neben dem Beruf habe ich mein rechtswissenschaftliches Studium mit dem Bachelor of Laws abgeschlossen und da dies 2015 noch keine Zukunft in Niedersachsen hatte bin ich nach Bayern, München, gegangen und habe in der 3. Qualifizierungsebene (QE) als Sachbearbeiterin im Sozialreferat bei der Landeshauptstadt München (LHM) begonnen. Nach ca, 8 Monaten bin ich das erste Mal Führungskraft geworden. Und nach weiteren 2,5 Jahren konnte ich die Karriereleiter wieder eine Stufe höher steigen und bin nun seit Dezember 2018 Lei-erin der Innenrevision des Kommunalreferates der LHM.
Als Leiterin der Innenrevision unterstütze ich meine Referentin bei der Qualitätssicherung und -verbesserung der Prozesse im Referat sowie in den dazugehörigen Eigenbetrieben. Ich nehme an den Dienstbesprechungen der obersten Führungsriege teil, um immer auf dem Laufenden zu sein was aktuell läuft. Diese überwiegend männlichen Führungskräfte sind meine Ansprechpartner im täglichen Dienst. Ich wurde als Frau immer akzeptiert und respektiert, wobei ich nicht sagen kann, welchen Anteil daran meine berufliche Rolle hat. Aber generell habe ich hier bei der LHM festgestellt, dass Frauen in Führung etwas Selbstverständliches sind. Die LHM fördert Frauen in Füh-rungspositionen sehr und es gibt extra Fortbildungsprogramme nur für Kolleginnen. Meiner Meinung nach hat auch die Diskussion und Festlegung einer Frauenquote ein großes Stück dazu beigetragen, dass es so viele gute Frauen in der 3. und 4. QE in Führung gibt.

Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Voraussetzungen, um in diese Führungsposition zu gelangen? Welche persönlichen Strategien zur Zielerreichung haben sich bewährt, welche hingegen weniger?
Da würde ich auf jeden Fall Zielstrebigkeit und einen starken Willen anführen. Aber auch „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ zu sein, ist natürlich hilfreich. Ich habe bei der LHM begonnen als die Flüchtlingskrise 2015 auf ihren Höhepunkt zusteuerte. Es gab wahnsinnig viel zu tun und es wurden immer mehr MitarbeiterInnen eingestellt, für die es natürlich Führungskräfte brauchte. Den nächsten Schritt konnte ich machen, da ich bei NiKa e. V. gelernt hatte, wie wichtig netzwerken ist und mein Netzwerk, welches ich mir bei Führungskräfteseminaren aufbaute, mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden, als das Vorstellungsgespräch für die aktuelle Stabsstellenleitung anstand.
Ich setze mir Ziele und diese verfolge ich, auch wenn es nicht gleich sofort klappt sie umzusetzen. Aufgeben war nie eine Option. Und sich Verbündete suchen, die bestimmte Erfahrungen schon gemacht haben, von denen ich nun profitieren kann und selbst Anderen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Was ich mir mittlerweile abgewöhnt habe, ist ständig nett zu sein. Mit Freundlichkeit mag frau im Leben weiterkommen, aber für die Karriere ist es besser höflich aber bestimmt zu sein und auch nie mit den geistigen Reizen zu geizen. Die gesunde Mischung aus Willensstärke, Zielstrebigkeit, Wissen und eine kleine Portion Frau sind meines Erachtens die perfekten Voraussetzungen zur Erreichung eines Karrierezieles.

Gab es aus Ihrer Sicht “Stolpersteine”, die Sie als Frau auf Ihrem beruflichen Weg wahrgenommen haben? Für die freie Wirtschaft werden Hindernisse für Frauen durchaus thematisiert, für den öffentlichen Dienst allerdings eher weniger.
Auch im öffentlichen Dienst gibt es diese Stolpersteine. Ich selbst habe sie in meiner Laufbahn nicht wahrgenommen aber sehr wohl beobachtet. Gerade Frauen zwischen 25-40 Jahren, also im gebärfähigen Alter, wie Männer so gern sagen, werden auf ihrem Weg nach oben ausgebremst. Sie dürfen an Seminaren teilnehmen, alle vorbereitenden Fortbildungen für Nachwuchsführungskräfte besuchen, aber wenn an der entscheidenden Stelle ein „weißer, alter Mann“ sitzt, haben diese Frauen kaum eine reelle Chance. Sitzt dort allerdings eine Frau, steigen die Chancen gravierend. Leider gibt es auch im öffentlichen Dienst eben diese Art von Männern, die glauben nur Ihresgleichen seien geeignet und um diese zu überzeugen, müssen Frauen doppelt so viel leisten wie die vergleichbaren Kollegen.

NiKa e.V. bietet Frauen im öffentlichen Dienst u.a. die Möglichkeiten, sich zu vernetzten. Sie waren selber einmal Mitglied im NiKa e.V. Welcher Stellenwert nahm in Ihrer Karriere das Thema Netzwerken ein und sehen Sie da besondere Herausforderungen für Frauen?
Wie ich bereits erwähnt habe, ist netzwerken etwas sehr Schönes und Hilfreiches für mich. Bei NiKA e.V. war ich damals die einzige Kollegin aus dem mittleren Dienst. Alle anderen Frauen gehörten zum gehobenen oder höheren Dienst. Meine Bedenken, nicht dazuzugehören lösten sich innerhalb der ersten fünf Minuten auf. Allein diese Erfahrung hat mich gestärkt. Der Austausch, die Erfahrungsberichte und die gemeinsamen Erlebnisse haben mir gezeigt, dass wenn wir Frauen zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen, können wir Alles erreichen. Und zwar Jede von uns. Wir müssen aufhören mit Stutenbissigkeit und Neid gegenüber erfolgreicheren Frauen, sondern uns an ihnen orientieren und schauen, was wir lernen können oder wobei sie uns behilflich sein können. Meiner Erfahrung nach neigen Frauen leider immer noch dazu, erfolgreiche Frauen als „Karriereweib“ oder mit anderen negativ behafteten Attributen zu betiteln. Miteinander sind wir stark, daher braucht es Netzwerke wie NiKa e.V., in denen Frauen lernen wie exorbitant wichtig gute Beziehungen sind. Männer sitzen schon seit ewigen Jahren zusammen und vergeben die besten Posten an Ihres-gleichen. Frauen müssen diese Form des Miteinanders ebenso für sich entdecken. Die Vorzüge sind nicht wegzudiskutieren. Denn die besten Stellen werden auch im öffentlichen Dienst unter der Hand vergeben, hier spricht man dann eben von Direktbesetzung. Und um von der Vakanz solcher Stellen überhaupt zu erfahren, braucht frau Kontakte. Dafür eignen sich Netzwerke wie NiKa e.V. hervorragend.

Das Thema Gleichstellung und Frauenförderung steht aktuell eher selten im Fokus. Eine öffentlich geführte Diskussion wird leider nur noch über die Frauenquote geführt. Was bedeutet für Sie Gleichstellung insbesondere für Frauen im öffentlichen Dienst und wo sehen Sie einen Mehrwert durch Vereine wie NiKa e.V.?
Ich möchte all das erreichen können, was auch ein männlicher Kollege erreichen kann. Und dabei muss es egal sein, ob die Person Vollzeit oder Teilzeit arbeitet. So stelle ich mir Gleichstellung vor. Es kommt nur auf die Leistung an, nicht in wieviel Stunden sie erbracht wird oder welches Geschlecht jemensch hat. Durch die gesetzliche Normierung der Gleichstellung hat sich im öffentlichen Dienst schon einiges bewegt. Aber noch nicht genug. Und um Frauen Mut zu machen und aufzuzeigen, dass es sich lohnt es überhaupt zu versuchen und sich gegenseitig zu unterstützen, braucht es Vereine wie NiKa e.V. Hier treffen sich Frauen, die den Weg schon gegangen sind und Frauen, die noch am Anfang stehen und alle profitieren voneinander. Die Macht der Frauen wird sichtbar gemacht, ein wichtiger Aspekt in unserer doch immer noch von Männern dominierten Welt. Und zu dieser Welt gehört eben auch der öffentliche Dienst, bei dem gerade die höchste Führungsebene oftmals noch männlich geprägt ist. Und daran können wir gemeinsam etwas ändern, wenn wir zusammenhalten.

Welche Erfahrungen haben Sie zur Akzeptanz als weibliche Führungskraft gemacht und was raten Sie unseren Mitgliedsfrauen im Verein und Interessierten, die sich auf dem Weg in Führungspositionen machen?
Wie bereits unter Frage 1 gesagt habe, sollten Frauen aufhören nett zu sein. Es ist nicht wichtig Allen zu gefallen, um Karriere zu machen. Eher genau das Gegenteil. Wenn frau eine eigene Meinung hat, die von der des gegenüber abweicht, sollte sie diese vertreten. Dann bewegt frau sich auf Augenhöhe und wird als ebenbürtig wahrgenom-men. Und mal ganz unter uns, ich habe noch in keiner Stellenbeschreibung/ Arbeitsplatzbeschreibung als Voraussetzung „nett und freundlich“ gelesen. Ihr lieben Frauen, dafür werden wir gar nicht bezahlt, also seid authentisch und verteidigt eure Meinung und euren Standpunkt und gebt dem Gegenüber nur Recht, wenn es wirklich eure Meinung ist. Genießt die Gemeinschaft, die NiKa e.V. euch geben kann, profitiert von den Erfahrungen der Frauen und vor allem unterstützt euch. Ich denke gerne an meine Zeit bei NiKa e.V. zurück, mir hat es sehr viel geholfen dabei zu sein. Noch heute lese ich begeistert den Newsletter, der mir liebenswerter Weise weiterhin zugeschickt wird. Und meine Mitgliedschaft bei NiKa e.V. und meine damit gemachten positiven Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich mich jetzt sowohl beruflich wie privat für Gleichstellung und Genderrechte engagiere, als Mentorin für ausländische Nachwuchsfüh-rungskräfte und bei XX-Change. Ganz nach dem Motto von Frauen für Frauen!
Ich bin ein Riesenfan vom Netzwerken und sehe es als Schlüssel zum Erfolg!

Danke NiKa e.V., dass ich heute da bin, wo ich schon immer hinwollte! Und nun habe ich hoffentlich meinen Master of Laws in der Tasche und werde den Sprung in die 4. QE wagen.